Vorschau: Gerätefinals am Sonntag

Das Balkenfinale der Kunstturn-Europameisterschaften Basel 2021 verspricht Hochspannung. Doch leider wird mit Larisa Iordache aus Rumänien die beste Turnerin der Qualifikation nicht turnen können. Eine Nierenentzündung macht ihren Einsatz nicht möglich. An dieser Stelle wünscht das gesamte Team von Basel 2021 Larisa gute Besserung!

Zum ersten Mal bei dieser EM wird keine russische Flagge bei der Siegerehrung zu sehen sein, denn keine russische Turnerin konnte sich für das Finale am Schwebebalken qualifizieren. Mit Sanne Wevers zählt die Olympiasiegerin zum Favoritenkreis. Dieser Kreis ist recht groß: Zwischen Wevers auf Platz zwei der Qualifikation und der Französin Melanie De Jesus Dos Santos aus Frankreich auf Rang sechs liegen nur 0,067 Punkte. De Jesus Dos Santos war mit dem 5. Platz bei der WM in Stuttgart beste Europäerin am Balken. Dazwischen lagen mit der Britin Amelie Morgen, Lieke Wevers aus den Niederlanden und Martina Maggio (Italien) weitere Topturnerinnen. Außerdem ist die Lettin Elina Vihrova und Marine Boyer aus Frankreich im Finale. Die Polin Marta Pihan-Kulesza wäre als erste Reserveturnerin nachgerückt, sie verletzte sich in der Qualifikation aber am Boden. Auch hier gute Besserung! Stattdessen rückt mit Anastasiia Bachynska aus der Ukrainerin eine junge Turnerin nach, die direkt um eine Medaille turnen kann, wenn sie ihre Wackler aus der Qualifikation abstellt. Auf dem zehn Zentimeter breiten und fünf Meter langen Balken kann alles passieren.

Alt gegen Jung am Boden

Am Boden gibt es mit Angelina Melnikova eine klare Favoritin: Sowohl in der Qualifikation als auch im Mehrkampffinale turnte sie eine schwere Übung ohne großen Fehler und erhielt in beiden Wettkämpfen die höchste Wertung. Mehrkampf-Europameisterin Viktoriia Listunova (15 Jahre) aus Russland überzeugte ebenfalls in beiden Auftritten am Boden in Basel. Auf Rang drei turnte sich in der Qualifikation Jessica Gadirova (16) aus Großbritannien, auch sie bestätigte im Mehrkampffinale ihre Bodenkünste. Dahinter lauern mit Vanessa Ferrari (30) aus Italien und Giulia Steingruber (27) aus der Schweiz zwei erfahrene Turnerinnen. Beide verzichteten auf das Mehrkampffinale und schonten sich für die Gerätefinals. Bei Steingruber lohnte sich das schon im Sprungfinale. Außerdem am Start: Martina Maggio (Italien), Kim Bui (Deutschland) und die Rumänin Maria Ceplinschi. Letztgenannte rückte für ihre Teamkollegin Iordache nach.

Andrey Medvedev aus Israel geht in das Sprungfinale als Qualifikationsbester. Die ersten sechs Turner vom Donnerstag hatten alle einen Ausgangswert von 5,6 Punkten in ihren beiden Sprüngen, es werden also die kleinsten Hüpfer bei der Landung um die Medaillen entscheiden. Kann Mehrkampf-Europameister Nikita Nagornyy seine Serie ausbauen und auch bei seinem fünften Finale eine Medaille gewinnen? In der Qualifikation war er zweiter, seinen Sprung im Mehrkampffinale stand er perfekt. Artur Davtyan aus Armenien ist ein ausgezeichneter Mehrkämpfer, in Basel konzentriert er sich nur auf das Pauschenpferd und den Sprung, das Pferdfinale gestern gewann er. Mit den Briten Giarnni Regini-Moran und Courtney Tulloch, Loris Frascas aus Frankreich, Yahor Sharamkou aus Belarus und dem Ukrainer Igor Radivilov sind sonst nur Sprungexperten im Finale.

Vier Medaillenchancen für die Schweiz

Am Barren ist eine Vorhersage nahezu unmöglich, zu ausgeglichen ist das Feld. Mit dem Deutschen Lukas Dauser, Sieger der Qualifikation, den beiden Russen Nikita Nagornyy und David Belyavskiy, sowie Ferhat Arican aus der Türkei gewann schon die Hälfte der Turner in diesem Finale eine EM-Medaille an diesem Gerät. Auch der Ukrainer Illia Kovtun ist als Junioreneuropameister ein Barrenexperte. Dazu tritt mit Ahmet Onder der amtierende Vize-Weltmeister am Barren an. In der Qualifikation präsentierten sich die beiden Schweizer Christian Baumann (dritter) und Pablo Brägger (sechster) stark. Eine Medaille bei der Heim-WM ist natürlich ein großer Ansporn. Dauser (6,7) und Nagornyy (6,4) stockten im Mehrkampffinale ihre Übung nochmal auf, Dauser machte einen Fehler und musste den Barren verlassen.

Auch am Reck gewann mit Andreas Toba ein Deutscher die Qualifikation. Er und Pablo Brägger (Reckeuropameister 2017) hatten mit 6,3 Punkten die höchste Ausgangswertung. Auch Christian Baumann ist im Reckfinale, er erreichte am Donnerstag den 4. Platz, hinter dem Italiener Carlo Macchini. Mit Krisztian Balazs ist Ungarns Nachwuchshoffnung in seinem ersten Gerätefinale bei den Senioren. 2016 und 2017 gewann David Belyavskiy (Russland) jeweils Bronze am Reck. Die beiden Türken Ahmet Onder und Adem Asil komplettieren das letzte Finale der Kunstturn-Europameisterschaften Basel 2021.

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Vorschau: Qualifikation der Frauen

Für die meisten Turnerinnen sind die Europameisterschaften Basel 2021 der erste internationale Wettkampf seit den Weltmeisterschaften im Oktober 2019 in Stuttgart. Die EM 2020 wurde zwar ausgetragen, allerdings verzichteten viele Nationen auf die Teilnahme im türkischen Mersin.

Insgesamt treten 109 Turnerinnen aus 32 Ländern in der Dreiländerstadt an. Neben dem Kampf um die EM-Medaillen und gute Platzierungen ist die kontinentale Meisterschaft auch ein wichtiger Test, wo die Athletinnen im internationalen Vergleich mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio stehen. Außerdem gibt es noch zwei Olympia-Tickets für die besten Mehrkämpferinnen der Qualifikation, die noch nicht für die Spiele qualifiziert ist.

Durch die unterschiedlichen Corona-Regelungen in den verschiedenen Ländern, durften die Turnerinnen auch zu unterschiedlichen Zeiten wieder zurück in das Training. Zudem feiern viele Turnerinnen der Jahrgänge 2004 und 2005 ihre Premiere bei den Seniorinnen. Es gibt spannende Fragen: Haben die Turnerinnen die lange Trainingszeit genutzt, um mehr Schwierigkeiten in ihre Übungen zu packen? Welche jungen Turnerinnen schaffen es, sich direkt bei den Seniorinnen zu etablieren? Aber vor allem: Wer sind die besten Turnerinnen Europas?

Antworten auf diese Fragen gibt es schon Morgen in der Qualifikation, die in vier Subdivisionen aufgeteilt ist. Hier der Überblick, welche Turnerinnen in den jeweiligen Durchgängen antreten:

Subdivision 1: 10-12 Uhr

Am Stufenbarren beginnen die beiden Italienerinnen Giorgia Villa und Alice D’Amato. Villa gewann bei den Youth Olympic Games 2018 Gold im Mehrkampf, tritt in Basel nur am Stufenbarren und Balken an. Bei ihrer ersten WM bei den Seniorinnen in Stuttgart hatte sie großen Anteil daran, dass Italien im Teamfinale Bronze gewann. D’Amato war auch in diesem Team, bei der EM 2019 holte sie Bronze am Stufenbarren.

Mit der Schwedin Jonna Adlertag startet eine weiter Stufenbarrenexpertin an diesem Gerät: Silber gewann sie an den beiden Holmen 2013 und 2018.

Die beiden deutschen Turnerinnen Sarah Voss und Emma Malewski sind ebenfalls in dieser Riege. Voss war bei der WM 2019 eine von zwei Europäerin im Balkenfinale. Sie wird am Balken und Sprung antreten, Malewski wird bei ihrer Seniorinnen-Premiere einen Mehrkampf turnen.

Sehenswert in diesem Durchgang ist sicherlich auch die Rumänin Maria Ceplinschi. Bei den Juniorinnen gewann sie bei der EM 2020 Silber im Mehrkampf. Mit in dieser Riege sind die beiden jungen Russinnen Vladislava Urazova (Gold JWM am Stufenbarren) und Elena Gerasimova (Gold JWM am Schwebebalken) .

Subdivision 2: 13.30-15.30 Uhr

Der zweite Durchgang beginnt mit den beiden Niederländerinnen Tisha Volleman und Naomi Visser am Sprung.

Mit Anina Wildi und Lilli Leanne Habisreutinger gehen die ersten Schweizerinnen bei der Heim-EM an die Geräte. Beide starten am Stufenbarren.

Kandidatin für eine vordere Platzierung im Mehrkampf ist die Britin Alice Kinsella. Im WM-Finale von Stuttgart belegte sie den 12. Platz, bei der EM 2019 sicherte sie sich Gold am Balken. Zusammen mit ihrer Teamkollegin Amelie Morgan beginnt sie am Boden.

Vordere Platzierungen bei der EM 2020 erreichten Anastasiia Bachynska und Anastasiia Motak aus der Ukraine: Motak gewann Bronze am Sprung und Schwebebalken, Bachynska landete am Balken auf Platz vier.

Subdivision 3: 16-18 Uhr

In dieser Subdivision treten einige interessante junge Turnerinnen an. Die Belgierin Noemie Louon ist eine gute Mehrkämpferin, besonders stark ist sie am Stufenbarren. Auch die Ungarin Zoja Szekely ist am Stufenbarren stark. Beide beginnen am Schwebebalken. Mit ihnen in der Riege ist nur eine von zwei amtierenden Europameisterinnen: die Ungarin Zsofia Kovacs. Sie gewann im vergangenen Jahr am Sprung und Stufenbarren Gold. Sie startet allerdings nur am Schwebebalken und Stufenbarren.

Die 16-jährige Britin Jessica Gadirova startet am Stufenbarren, zusammen mit der 14 Jahre älteren Vanessa Ferrari. Die Italienerin mischt schon lange im internationalen Turnzirkus mit: 2006 gewann sie im Mehrkampf die Goldmedaille. In den vergangenen Jahren war sie immer wieder verletzt, in diesem Jahr möchte sie sich für ihre vierten Olympischen Spielen qualifizieren.

Die Polin Marta Pihan-Kulesza ist mit 33 Jahren die älteste Turnerin der EM und tritt in dieser Subdivision an allen vier Geräten an.

Subdivision 4: 18.30-20.30 Uhr

Der am hochkarätigsten besetzte ist der 4. und letzte an diesem Tag

Die Russin Angelina Melnikova ist die große Favoritin auf den Mehrkampftitel. Die Gewinnerin der Bronzemedaille im Mehrkampf der WM 2019 beginnt am Schwebebalken. Mit ihr in einer Riege ist ihre Teamkollegin Viktoriia Listunova. Die 15-Jährige feiert ihre Premiere bei den Seniorinnen und gilt als großes Talent: Sie gewann den WM-Mehrkampftitel bei den Juniorinnen 2019.

Melanie De Jesus Dos Santos aus Frankreich gewann Gold im Mehrkampf und am Boden bei der EM 2019, zeigt ihre Übungen in Basel aber nur am Stufenbarren und Schwebebalken. Am Balken zählt sie zu den Favoritinnen, ebenso wie die niederländische Olympiasiegerin von 2016 Sanne Wevers.

Giulia Steingruber ist die große Medaillenhoffnung der Schweiz, sie gewann 2016 in Rio de Janeiro Bronze am Sprung, ein Jahr später bei der WM ebenfalls Bronze an ihrem Paradegerät. Aber auch im Mehrkampf ist Steingruber stark: 2015 gewann sie bei der EM-Gold, bei der WM in Stuttgart belegte sie Rang 18 im Mehrkampffinale. Steingruber beginnt am Stufenbarren. Auch ihre Landsfrau Stefanie Siegenthaler ist in dieser Riege, außerdem die Türkin Goksu Uctas Sanli, Gewinnerin der Silbermedaille 2020 am Boden.

Die Rumänin Larisa Iordache ist die zweite amtierende Europameisterin in Basel: Am Schwebebalken und Boden gewann sie Gold. 2014 holte sie Mehrkampf-Silber bei der WM. Iordache ist noch nicht für die Spiele in Tokio qualifiziert. Mit ihr am Schwebebalken startet Diana Varinska aus der Ukraine. Die gute Mehrkämpferin belässt es bei einem Start am Balken und Barren.

Für Deutschland starten am Boden die beiden erfahrenen Turnerinnen Elisabeth Seitz und Kim Bui. Seitz belegte bei ihrer Heim-WM 2019 Rang sechs im Mehrkampffinale. Besonders stark sind beide am Stufenbarren: Seitz gewann WM-Bronze 2018 und EM-Bronze 2017, Bui holte bei der EM 2011 ebenfalls Bronze.

Wer fährt noch nach Tokio?

Diese Turnerinnen haben gute Chancen auf die letzten Olympia-Tickets: Larisa Iordache (ROU), Vanessa Ferrari (ITA) Viktoriia Listunova, Vladislava Urazova (beide RUS) und Jessica Gadirova (GBR).

Obwohl die Italienerinnen, Russinnen und Britinnen als Team für die Olympischen Spiele qualifiziert sind, können die Turnerinnen ein weiteres Ticket pro Nation lösen, da sie nicht im Team der WM 2019 waren.

Alle Startzeiten findet ihr hier:


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