Diese Kunstturn-EM war ein großer Erfolg

Positiver Abschluss einer gelungenen Großveranstaltung: Die Kunstturn-EM 2021 in Basel war sowohl sportlich als auch organisatorisch ein großer Erfolg. Das aufwändige Schutzkonzept bewährte sich.

Mit einem spektakulären Finalsonntag ging die 9. Einzel-Kunstturn-Europameisterschaft in Basel zu Ende. War der Großanlass im Vorfeld mit vielen Unwägbarkeiten verbunden gewesen, so konnten die Veranstalter am Ende ein positives Fazit ziehen. „Wir wollten den 280 Kunstturnerinnen und Kunstturnern trotz coronabedingt erschwerter Umstände einen perfekten und würdigen Rahmen für die Wettkämpfe bieten“, sagte Kathrin Amacker, Präsidentin des Organisationskomitees, „das ist uns auch ohne Zuschauer vor Ort vollauf gelungen.“ Basel habe mit dieser EM Maßstäbe gesetzt, so Kathrin Amacker weiter. „Die Stadt konnte sich europaweit in bestem Licht präsentieren und beweisen, dass sie als Schauplatz für Großveranstaltungen gerüstet ist.“ Die EM generierte mit den rund 700
Mitgliedern der Delegationen aus 38 Ländern insgesamt 5800 Logiernächte.

„Diese Halle ist wie geschaffen fürs Kunstturnen“

Dr. Farid Gayibov, Präsident von European Gymnastics, zog ebenso eine sehr positive Bilanz: „Ich möchte den Regierungen von Basel-Stadt und Baselland für die große Unterstützung danken. Das Organisationskomitee hat unter extrem schwierigen Bedingungen einen fantastischen Job gemacht und die zusätzlich nötigen Maßnahmen
wegen der Covid-Epidemie in einer absolut professionellen Weise gehandhabt“. Besonders angetan zeigte sich Dr. Farid Gayibov von der St. Jakobshalle: „Diese Halle ist wie geschaffen fürs Kunstturnen.“ Natürlich sei es schade gewesen, dass vor Ort kein Publikum zugelassen war. Aber mit der Möglichkeit, die Kunstturnerinnen und Kunstturner auf virtuellem Weg anzufeuern, habe man für Ersatz gesorgt. „Es war eine Freude zu sehen, wie Familienangehörige und Fans von nah und fern die Athletinnen und Athleten unterstützten.“ Basel habe für eine große Show gesorgt, die beim Fernsehpublikum sehr gut angekommen sei; das würden die guten Feedbacks aus aller Welt zeigen. Dr. Farid Gayibov: „Gratulation dafür!“

Kompletter Medaillensatz für die Schweiz

Sportlich bleibt die EM ebenfalls in denkwürdiger Erinnerung: Giulia Steingruber (Gold im Sprung), Benjamin Gischard (Silber im Bodenturnen) und Christian Baumann (Bronze am Barren) setzten für die Schweiz ein Ausrufezeichen. Die EM galt als Hauptprobe für die Olympischen Spiele in Tokio und hatte deshalb für die Athletinnen und Athleten einen großen Stellenwert in ihrer Jahresplanung, nicht zuletzt weil in den letzten zwölf
Monaten kaum mehr internationale Wettkämpfe hatten stattfinden können. Die EM musste in einer schwierigen Phase der Pandemie bei steigenden Fallzahlen durchgeführt werden. Doch die aufwändigen Schutzkonzepte griffen erfolgreich, auch weil sich die Beteiligten an alle Vorgaben hielten. „Unter den 700 Angehörigen der Delegationen gab es bis Sonntagabend keinen einzigen Corona-Fall“, durfte Beat Läuchli, Geschäftsführer der Kunstturn-EM, erfreut feststellen. Insgesamt wurden für die rund 1500 Personen, die sich während der EM-Woche am Schauplatz des Geschehens aufhielten, über 3000 Schnelltests sowie 600 PCR-Tests durchgeführt. Bei den Medienschaffenden gab es einen positiven Fall. Zudem wurden drei Angehörige außerhalb der sogenannten «Bubble» vor ihrem Einsatz positiv auf Corona getestet.

Danke an alle Helferinnen und Helfer

Solch ein Großanlass ist ohne freiwillige Helferinnen und Helfer längst nicht mehr zustemmen: Die 600 Volunteers leisteten rund 16’000 ehrenamtliche Helferstunden. „Ihnen gebührt unser großer Dank“, erklärt Kathrin Amacker. „Sie hätten ebenfalls eine Goldmedaille verdient.“

Russinnen dominieren Qualifikation

Bei der Qualifikation der Kunstturn-Europameisterschaften Basel 2021 dominieren drei Russinnen. Angelina Melnikova siegt mit 55,991 Punkten vor ihren Teamkolleginnen Viktoriia Listunova und Vladislava Urazova. Giulia Steingruber kommt bei ihrer Heim-EM im Mehrkampf auf den zehnten Platz und qualifiziert sich für die Gerätefinals am Sprung und Boden.

Gewinnerin der Qualifikation ist auch die Rumänin Larisa Iordache, die sich auf dem vierten Platz das letzte Olympia-Ticket sichert. Das andere Ticket geht an Listunova. Iordache rückt nach, da diese Qualifikationen für zwei Turnerinnen aus unterschiedlichen Ländern möglich ist. Das russische Team ist ohnehin schon für Tokio qualifiziert. Für Iordache endet damit eine lange Leidenszeit: Seit der WM 2017 hatte sie andauernd mit Verletzungen zu kämpfen.

Gute Medaillenchance für Steingruber

Steingruber erzielt am Sprung bei ihrer Heim-EM die drittbeste Wertung aller Turnerinnen. Die Medaillenentscheidung geht am Samstag höchstwahrscheinlichnur über die Britin Jessica Gadirova, Melnikova und Steingruber: Nach den drei Turnerinnen, die innerhalb von 0,067 Punkten liegen, ist eine Lücke von über einem halben Punkt. Allerdings werden die Karten in den Finals nochmals neu gemischt und alle Turnerinnen starten mit null Punkten. Ins Bodenfinale zieht Steingruber als sechste ein.

Melnikova, WM-Dritte von Stuttgart 2019 im Mehrkampf, ist jetzt auch Favoritin im Finale am Freitag, vor allem da sie nach einem Fehler am Schwebebalken noch Steigerungspotential hat. Außerdem steht die 21-Jährige in den Gerätefinals am Sprung, Stufenbarren und Boden: Am Stufenbarren und Boden mit der höchsten Punktzahl des Tages, am Sprung ist nur die junge Britin Gadirova besser als Melnikova. Die Qualifikation am Schwebebalken gewinnt Larisa Iordache aus Rumänien knapp vor Olympiasiegerin Sanne Wevers (Niederlande) und Amelie Morgan (Großbritannien).

Ferrari in zwei Finals

Urazova führte nach der ersten Subdivision und wurde erst zum Ende des Tages von ihren Teamkolleginnen eingeholt. Bitter für die 16-Jährige: Da sich nur zwei Turnerinnen pro Land für ein Finale qualifizieren können, muss Urazova am Freitag beim Mehrkampffinale zuschauen. Am Stufenbarren hat dagegen die dreimalige Juniorenweltmeisterin Listunova das Nachsehen: Hinter Melnikova, Urazova und der deutschen Elisabeth Seitz belegt die 15-Jährige in ihrem ersten Jahr bei den Seniorinnen Platz vier und kann schaut am Samstag aufgrund der Nationenregel nur zu.

Ein erfolgreiches Comeback feiert auch Vanessa Ferrari (Italien): Im Mehrkampf landet sie auf dem 7. Platz, in das Bodenfinale zieht sie auf dem vierten Platz ein.

Die besten Zehn Mehrkampfturnerinnen:
  1. Angelina MELNIKOVA (RUS) 55.991
  2. Viktoriya LISTUNOVA (RUS) 55.465
  3. Vladislava URAZOVA (RUS) (55.299)*
  4. Larisa IORDACHE (ROU) 54.698
  5. Martina MAGGIO (ITA) 54.398
  6. Amelie MORGAN (GBR) 54.032
  7. Vanessa FERRARI (ITA) 53.765
  8. Jessica GADIROVA (GBR) 53.699
  9. Carolann HEDUIT (FRA) 53.599
  10. Giulia STEINGRUBER (SUI) 53.299

* nicht für das Finale qualifiziert, da nur zwei Turnerinnen pro Nation in ein Finale einziehen können

Für die Gerätefinals qualifiziert:

Sprung
  1. Jessica GADIROVA (GBR) 14.516
  2. Angelina MELNIKOVA (RUS) 14.450
  3. Giulia STEINGRUBER (SUI) 14.449
  4. Marina NEKRASOVA (AZE) 13.983
  5. Csenge Maria BACSKAY (HUN) 13.766
  6. Anastasiya MOTAK (UKR) 13.716
  7. Tjasa KYSSELEF (SLO) 13.633
  8. Sara PETER (HUN) 13.566
Stufenbarren
  1. Angelina MELNIKOVA (RUS) 14.625
  2. Vladislava URAZOVA (RUS) 14.500
  3. Elisabeth SEITZ (GER) 14.233
  4. Filipa MARTINS (POR) 14.166
  5. Jonna ADLERTEG (SWE) 14.000
  6. Giorgia VILLA (ITA) 13.966
  7. Amelie MORGAN (GBR) 13.966
  8. Alice D’AMATO (ITA) 13.966
Schwebebalken
  1. Larisa Andreea IORDACHE (ROU) 13.466
  2. Sanne WEVERS (NED) 13.433
  3. Amelie MORGAN (GBR) 13.433
  4. Lieke WEVERS (NED) 13.400
  5. Martina MAGGIO (ITA) 13.366
  6. Mélanie DE JESUS DOS SANTOS (FRA) 13.366
  7. Elina VIHROVA (LAT) 13.233
  8. Marine BOYER (FRA) 13.233
Boden
  1. Angelina MELNIKOVA (RUS) 14.300
  2. Viktoriya LISTUNOVA (RUS) 14.033
  3. Jessica GADIROVA (GBR) 13.866
  4. Vanessa FERRARI (ITA) 13.633
  5. Giulia STEINGRUBER (SUI) 13.466
  6. Larisa IORDACHE (ROU) 13.400
  7. Martina MAGGIO (ITA) 13.333
  8. Kim BUI (GER) 13.333

Alle Ergebnisse im Überblick:

Vorschau: Qualifikation der Frauen

Für die meisten Turnerinnen sind die Europameisterschaften Basel 2021 der erste internationale Wettkampf seit den Weltmeisterschaften im Oktober 2019 in Stuttgart. Die EM 2020 wurde zwar ausgetragen, allerdings verzichteten viele Nationen auf die Teilnahme im türkischen Mersin.

Insgesamt treten 109 Turnerinnen aus 32 Ländern in der Dreiländerstadt an. Neben dem Kampf um die EM-Medaillen und gute Platzierungen ist die kontinentale Meisterschaft auch ein wichtiger Test, wo die Athletinnen im internationalen Vergleich mit Blick auf die Olympischen Spiele in Tokio stehen. Außerdem gibt es noch zwei Olympia-Tickets für die besten Mehrkämpferinnen der Qualifikation, die noch nicht für die Spiele qualifiziert ist.

Durch die unterschiedlichen Corona-Regelungen in den verschiedenen Ländern, durften die Turnerinnen auch zu unterschiedlichen Zeiten wieder zurück in das Training. Zudem feiern viele Turnerinnen der Jahrgänge 2004 und 2005 ihre Premiere bei den Seniorinnen. Es gibt spannende Fragen: Haben die Turnerinnen die lange Trainingszeit genutzt, um mehr Schwierigkeiten in ihre Übungen zu packen? Welche jungen Turnerinnen schaffen es, sich direkt bei den Seniorinnen zu etablieren? Aber vor allem: Wer sind die besten Turnerinnen Europas?

Antworten auf diese Fragen gibt es schon Morgen in der Qualifikation, die in vier Subdivisionen aufgeteilt ist. Hier der Überblick, welche Turnerinnen in den jeweiligen Durchgängen antreten:

Subdivision 1: 10-12 Uhr

Am Stufenbarren beginnen die beiden Italienerinnen Giorgia Villa und Alice D’Amato. Villa gewann bei den Youth Olympic Games 2018 Gold im Mehrkampf, tritt in Basel nur am Stufenbarren und Balken an. Bei ihrer ersten WM bei den Seniorinnen in Stuttgart hatte sie großen Anteil daran, dass Italien im Teamfinale Bronze gewann. D’Amato war auch in diesem Team, bei der EM 2019 holte sie Bronze am Stufenbarren.

Mit der Schwedin Jonna Adlertag startet eine weiter Stufenbarrenexpertin an diesem Gerät: Silber gewann sie an den beiden Holmen 2013 und 2018.

Die beiden deutschen Turnerinnen Sarah Voss und Emma Malewski sind ebenfalls in dieser Riege. Voss war bei der WM 2019 eine von zwei Europäerin im Balkenfinale. Sie wird am Balken und Sprung antreten, Malewski wird bei ihrer Seniorinnen-Premiere einen Mehrkampf turnen.

Sehenswert in diesem Durchgang ist sicherlich auch die Rumänin Maria Ceplinschi. Bei den Juniorinnen gewann sie bei der EM 2020 Silber im Mehrkampf. Mit in dieser Riege sind die beiden jungen Russinnen Vladislava Urazova (Gold JWM am Stufenbarren) und Elena Gerasimova (Gold JWM am Schwebebalken) .

Subdivision 2: 13.30-15.30 Uhr

Der zweite Durchgang beginnt mit den beiden Niederländerinnen Tisha Volleman und Naomi Visser am Sprung.

Mit Anina Wildi und Lilli Leanne Habisreutinger gehen die ersten Schweizerinnen bei der Heim-EM an die Geräte. Beide starten am Stufenbarren.

Kandidatin für eine vordere Platzierung im Mehrkampf ist die Britin Alice Kinsella. Im WM-Finale von Stuttgart belegte sie den 12. Platz, bei der EM 2019 sicherte sie sich Gold am Balken. Zusammen mit ihrer Teamkollegin Amelie Morgan beginnt sie am Boden.

Vordere Platzierungen bei der EM 2020 erreichten Anastasiia Bachynska und Anastasiia Motak aus der Ukraine: Motak gewann Bronze am Sprung und Schwebebalken, Bachynska landete am Balken auf Platz vier.

Subdivision 3: 16-18 Uhr

In dieser Subdivision treten einige interessante junge Turnerinnen an. Die Belgierin Noemie Louon ist eine gute Mehrkämpferin, besonders stark ist sie am Stufenbarren. Auch die Ungarin Zoja Szekely ist am Stufenbarren stark. Beide beginnen am Schwebebalken. Mit ihnen in der Riege ist nur eine von zwei amtierenden Europameisterinnen: die Ungarin Zsofia Kovacs. Sie gewann im vergangenen Jahr am Sprung und Stufenbarren Gold. Sie startet allerdings nur am Schwebebalken und Stufenbarren.

Die 16-jährige Britin Jessica Gadirova startet am Stufenbarren, zusammen mit der 14 Jahre älteren Vanessa Ferrari. Die Italienerin mischt schon lange im internationalen Turnzirkus mit: 2006 gewann sie im Mehrkampf die Goldmedaille. In den vergangenen Jahren war sie immer wieder verletzt, in diesem Jahr möchte sie sich für ihre vierten Olympischen Spielen qualifizieren.

Die Polin Marta Pihan-Kulesza ist mit 33 Jahren die älteste Turnerin der EM und tritt in dieser Subdivision an allen vier Geräten an.

Subdivision 4: 18.30-20.30 Uhr

Der am hochkarätigsten besetzte ist der 4. und letzte an diesem Tag

Die Russin Angelina Melnikova ist die große Favoritin auf den Mehrkampftitel. Die Gewinnerin der Bronzemedaille im Mehrkampf der WM 2019 beginnt am Schwebebalken. Mit ihr in einer Riege ist ihre Teamkollegin Viktoriia Listunova. Die 15-Jährige feiert ihre Premiere bei den Seniorinnen und gilt als großes Talent: Sie gewann den WM-Mehrkampftitel bei den Juniorinnen 2019.

Melanie De Jesus Dos Santos aus Frankreich gewann Gold im Mehrkampf und am Boden bei der EM 2019, zeigt ihre Übungen in Basel aber nur am Stufenbarren und Schwebebalken. Am Balken zählt sie zu den Favoritinnen, ebenso wie die niederländische Olympiasiegerin von 2016 Sanne Wevers.

Giulia Steingruber ist die große Medaillenhoffnung der Schweiz, sie gewann 2016 in Rio de Janeiro Bronze am Sprung, ein Jahr später bei der WM ebenfalls Bronze an ihrem Paradegerät. Aber auch im Mehrkampf ist Steingruber stark: 2015 gewann sie bei der EM-Gold, bei der WM in Stuttgart belegte sie Rang 18 im Mehrkampffinale. Steingruber beginnt am Stufenbarren. Auch ihre Landsfrau Stefanie Siegenthaler ist in dieser Riege, außerdem die Türkin Goksu Uctas Sanli, Gewinnerin der Silbermedaille 2020 am Boden.

Die Rumänin Larisa Iordache ist die zweite amtierende Europameisterin in Basel: Am Schwebebalken und Boden gewann sie Gold. 2014 holte sie Mehrkampf-Silber bei der WM. Iordache ist noch nicht für die Spiele in Tokio qualifiziert. Mit ihr am Schwebebalken startet Diana Varinska aus der Ukraine. Die gute Mehrkämpferin belässt es bei einem Start am Balken und Barren.

Für Deutschland starten am Boden die beiden erfahrenen Turnerinnen Elisabeth Seitz und Kim Bui. Seitz belegte bei ihrer Heim-WM 2019 Rang sechs im Mehrkampffinale. Besonders stark sind beide am Stufenbarren: Seitz gewann WM-Bronze 2018 und EM-Bronze 2017, Bui holte bei der EM 2011 ebenfalls Bronze.

Wer fährt noch nach Tokio?

Diese Turnerinnen haben gute Chancen auf die letzten Olympia-Tickets: Larisa Iordache (ROU), Vanessa Ferrari (ITA) Viktoriia Listunova, Vladislava Urazova (beide RUS) und Jessica Gadirova (GBR).

Obwohl die Italienerinnen, Russinnen und Britinnen als Team für die Olympischen Spiele qualifiziert sind, können die Turnerinnen ein weiteres Ticket pro Nation lösen, da sie nicht im Team der WM 2019 waren.

Alle Startzeiten findet ihr hier:


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