Get-together bei der Kunstturn-EM

Während der Kunstturn-EM Basel 2021 fand in einem kleinen Rahmen ein Get-together mit Regierungsvertretern der Kantone Basel-Stadt und Baselland, European Gymnastics, dem Vorstand des Organisations-Komitees und der LOC Geschäftsstelle sowie dem Schweizerischen Turnverband und dem Hauptsponsor UBS, statt.

Zusammentreffen von Regierungsvertreter*innen währen der Kunstturn-EM Basel 2021
Von l.n.r.:
Beat Läuchli, Geschäftsführer LOC; Thomas Aegerter, Regionaldirektor Basel UBS; Martin Leber Vize-Präseident Kunstturn-EM; Dr. iur. Conradin Cramer, Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, Lisa Worthmann, Direktorin European Gymnastics; Dr. Kathrin Amacker, OK-Präsidentin Kunstturn-EM; Dr. Farid Gayibov, Präsident European Gymnastics; Heinz Lerf, Landratspräsident Kanton Basel-Landschaft; Fabio Corti, Zentralpräsident STV; Béatrice Wertli, Direktorin STV. Foto: Joseph Khakshouri

Diese Kunstturn-EM war ein großer Erfolg

Positiver Abschluss einer gelungenen Großveranstaltung: Die Kunstturn-EM 2021 in Basel war sowohl sportlich als auch organisatorisch ein großer Erfolg. Das aufwändige Schutzkonzept bewährte sich.

Mit einem spektakulären Finalsonntag ging die 9. Einzel-Kunstturn-Europameisterschaft in Basel zu Ende. War der Großanlass im Vorfeld mit vielen Unwägbarkeiten verbunden gewesen, so konnten die Veranstalter am Ende ein positives Fazit ziehen. „Wir wollten den 280 Kunstturnerinnen und Kunstturnern trotz coronabedingt erschwerter Umstände einen perfekten und würdigen Rahmen für die Wettkämpfe bieten“, sagte Kathrin Amacker, Präsidentin des Organisationskomitees, „das ist uns auch ohne Zuschauer vor Ort vollauf gelungen.“ Basel habe mit dieser EM Maßstäbe gesetzt, so Kathrin Amacker weiter. „Die Stadt konnte sich europaweit in bestem Licht präsentieren und beweisen, dass sie als Schauplatz für Großveranstaltungen gerüstet ist.“ Die EM generierte mit den rund 700
Mitgliedern der Delegationen aus 38 Ländern insgesamt 5800 Logiernächte.

„Diese Halle ist wie geschaffen fürs Kunstturnen“

Dr. Farid Gayibov, Präsident von European Gymnastics, zog ebenso eine sehr positive Bilanz: „Ich möchte den Regierungen von Basel-Stadt und Baselland für die große Unterstützung danken. Das Organisationskomitee hat unter extrem schwierigen Bedingungen einen fantastischen Job gemacht und die zusätzlich nötigen Maßnahmen
wegen der Covid-Epidemie in einer absolut professionellen Weise gehandhabt“. Besonders angetan zeigte sich Dr. Farid Gayibov von der St. Jakobshalle: „Diese Halle ist wie geschaffen fürs Kunstturnen.“ Natürlich sei es schade gewesen, dass vor Ort kein Publikum zugelassen war. Aber mit der Möglichkeit, die Kunstturnerinnen und Kunstturner auf virtuellem Weg anzufeuern, habe man für Ersatz gesorgt. „Es war eine Freude zu sehen, wie Familienangehörige und Fans von nah und fern die Athletinnen und Athleten unterstützten.“ Basel habe für eine große Show gesorgt, die beim Fernsehpublikum sehr gut angekommen sei; das würden die guten Feedbacks aus aller Welt zeigen. Dr. Farid Gayibov: „Gratulation dafür!“

Kompletter Medaillensatz für die Schweiz

Sportlich bleibt die EM ebenfalls in denkwürdiger Erinnerung: Giulia Steingruber (Gold im Sprung), Benjamin Gischard (Silber im Bodenturnen) und Christian Baumann (Bronze am Barren) setzten für die Schweiz ein Ausrufezeichen. Die EM galt als Hauptprobe für die Olympischen Spiele in Tokio und hatte deshalb für die Athletinnen und Athleten einen großen Stellenwert in ihrer Jahresplanung, nicht zuletzt weil in den letzten zwölf
Monaten kaum mehr internationale Wettkämpfe hatten stattfinden können. Die EM musste in einer schwierigen Phase der Pandemie bei steigenden Fallzahlen durchgeführt werden. Doch die aufwändigen Schutzkonzepte griffen erfolgreich, auch weil sich die Beteiligten an alle Vorgaben hielten. „Unter den 700 Angehörigen der Delegationen gab es bis Sonntagabend keinen einzigen Corona-Fall“, durfte Beat Läuchli, Geschäftsführer der Kunstturn-EM, erfreut feststellen. Insgesamt wurden für die rund 1500 Personen, die sich während der EM-Woche am Schauplatz des Geschehens aufhielten, über 3000 Schnelltests sowie 600 PCR-Tests durchgeführt. Bei den Medienschaffenden gab es einen positiven Fall. Zudem wurden drei Angehörige außerhalb der sogenannten «Bubble» vor ihrem Einsatz positiv auf Corona getestet.

Danke an alle Helferinnen und Helfer

Solch ein Großanlass ist ohne freiwillige Helferinnen und Helfer längst nicht mehr zustemmen: Die 600 Volunteers leisteten rund 16’000 ehrenamtliche Helferstunden. „Ihnen gebührt unser großer Dank“, erklärt Kathrin Amacker. „Sie hätten ebenfalls eine Goldmedaille verdient.“

Baumann holt Bronze am Barren – Titel für Radivilov, Arican und Belyavskiy

Dem Ukrainer Igor Radivilov ist am Sprung die Titelverteidigung geglückt. Er zeigt als einziger Turner einen Sprung mit der Ausgangswertung von 6,0 Punkten: Einen Überschlag Doppelsalto gebückt mit halber Schraube. Andrey Medvedev aus Israel holt sich Silber vor dem Briten Giarnni Regini-Moran. Nikita Nagornyy stürzt bei seinem zweiten Sprung und verpasst damit im ersten Finale dieser Europameisterschaften eine Medaille.

  1. Igor Radivilov 14,716
  2. Andrey Medvedev 14,658
  3. Giarnni Regini-Moran 14,583

Christian Baumann holt beim Titelgewinn von Ferhat Arican (Türkei) mit Bronze seine zweite Einzelmedaille bei einer Europameisterschaft. Der Schweizer landet mit einer tollen Übung punktgleich mit dem Deutschen Lukas Dauser auf dem dritten Rang. Zweiter wird der Russe David Belyavskiy. Arican überzeugte mit einer starken Übung und dem höchsten Ausgangswert (6,6 Punkte) und zusammen mit Baumann und Dauser der höchsten Ausführungswertung (8,7 Punkte).

  1. Ferhat Arican 15,300
  2. David Belyavskiy 15,133
  3. Christian Baumann & Lukas Dauser 15,100

Die letzte Goldmedaille dieser Kunstturn-Europameisterschaft gewinnt der Russe David Belyavskiy am reck. Mit einer fehlerfreien Übung holt er sein viertes Einzel-Gold bei einer EM, den ersten Titel am Reck. Zweiter wird Andreas Toba aus Deutschland bei seinem ersten Gerätefinale überhaupt. Adem Asil aus der Türkei gewinnt Bronze. Pablo Brägger aus der Schweiz stürzt bei seiner Heim-EM und kann ebenso wenig wie sein Teamkollege Christian Baumann nicht in den Medaillenkampf eingreifen.

  1. David Belyavskiy 14,066
  2. Andreas Toba 13,833
  3. Adem Asil 13,766

De Jesus Dos Santos und Gadirova holen Titel

Am Schwebebalken gewinnt Melanie De Jesus Dos Santos aus Frankreich nach Silber bei der EM 2019 ihren ersten Titel an diesem Gerät. Sie turnt die mit Abstand schwierigste Übung. Bis auf eine Unsicherheit bei der Landung nach dem Doppelsalto rückwärts mit ganzer Schraube, zeigte sie eine fehlerfreie Übung auf dem Schwebebalken. Die Olympiasiegerin Sanne Wevers aus den Niederlanden holt sich Silber. Auch sie stockt wie De Jesus Dos Santos ihre Übung im Vergleich zu Qualifikation auf und turnt ohne Fehler durch. Auf dem dritten Platz überrascht die 17-jährige Anastasiia Bachynska aus der Ukraine. Sie war als zweite Reserveturnerin in das Finale nachgerückt.

  1. Melanie De Jesus Dos Santos 13,900
  2. Sanne Wevers 13,866
  3. Anastasiia Bachynska 13,333

Das Generationenduell am Boden hat die Britin Jessica Gadirova eindrucksvoll entschieden und sich den Europameistertitel bei ihrer Seniorinnen-Premiere gesichert. Mit ihrer fehlerfreien Übung schlägt sie sogar Topfavoritin Angelina Melnikova und holt damit einen kompletten Medaillensatz in Basel. Mit dem Gewinn der Bronzemedaille beweist Vanessa Ferrari aus Italien, dass sie sie noch lange nicht fertig ist mit dem Turnen.

  1. Jessica Gardirova 13.966
  2. Angelina Melnikova 13,900
  3. Vanessa Ferrari 13,600

Vorschau: Gerätefinals am Sonntag

Das Balkenfinale der Kunstturn-Europameisterschaften Basel 2021 verspricht Hochspannung. Doch leider wird mit Larisa Iordache aus Rumänien die beste Turnerin der Qualifikation nicht turnen können. Eine Nierenentzündung macht ihren Einsatz nicht möglich. An dieser Stelle wünscht das gesamte Team von Basel 2021 Larisa gute Besserung!

Zum ersten Mal bei dieser EM wird keine russische Flagge bei der Siegerehrung zu sehen sein, denn keine russische Turnerin konnte sich für das Finale am Schwebebalken qualifizieren. Mit Sanne Wevers zählt die Olympiasiegerin zum Favoritenkreis. Dieser Kreis ist recht groß: Zwischen Wevers auf Platz zwei der Qualifikation und der Französin Melanie De Jesus Dos Santos aus Frankreich auf Rang sechs liegen nur 0,067 Punkte. De Jesus Dos Santos war mit dem 5. Platz bei der WM in Stuttgart beste Europäerin am Balken. Dazwischen lagen mit der Britin Amelie Morgen, Lieke Wevers aus den Niederlanden und Martina Maggio (Italien) weitere Topturnerinnen. Außerdem ist die Lettin Elina Vihrova und Marine Boyer aus Frankreich im Finale. Die Polin Marta Pihan-Kulesza wäre als erste Reserveturnerin nachgerückt, sie verletzte sich in der Qualifikation aber am Boden. Auch hier gute Besserung! Stattdessen rückt mit Anastasiia Bachynska aus der Ukrainerin eine junge Turnerin nach, die direkt um eine Medaille turnen kann, wenn sie ihre Wackler aus der Qualifikation abstellt. Auf dem zehn Zentimeter breiten und fünf Meter langen Balken kann alles passieren.

Alt gegen Jung am Boden

Am Boden gibt es mit Angelina Melnikova eine klare Favoritin: Sowohl in der Qualifikation als auch im Mehrkampffinale turnte sie eine schwere Übung ohne großen Fehler und erhielt in beiden Wettkämpfen die höchste Wertung. Mehrkampf-Europameisterin Viktoriia Listunova (15 Jahre) aus Russland überzeugte ebenfalls in beiden Auftritten am Boden in Basel. Auf Rang drei turnte sich in der Qualifikation Jessica Gadirova (16) aus Großbritannien, auch sie bestätigte im Mehrkampffinale ihre Bodenkünste. Dahinter lauern mit Vanessa Ferrari (30) aus Italien und Giulia Steingruber (27) aus der Schweiz zwei erfahrene Turnerinnen. Beide verzichteten auf das Mehrkampffinale und schonten sich für die Gerätefinals. Bei Steingruber lohnte sich das schon im Sprungfinale. Außerdem am Start: Martina Maggio (Italien), Kim Bui (Deutschland) und die Rumänin Maria Ceplinschi. Letztgenannte rückte für ihre Teamkollegin Iordache nach.

Andrey Medvedev aus Israel geht in das Sprungfinale als Qualifikationsbester. Die ersten sechs Turner vom Donnerstag hatten alle einen Ausgangswert von 5,6 Punkten in ihren beiden Sprüngen, es werden also die kleinsten Hüpfer bei der Landung um die Medaillen entscheiden. Kann Mehrkampf-Europameister Nikita Nagornyy seine Serie ausbauen und auch bei seinem fünften Finale eine Medaille gewinnen? In der Qualifikation war er zweiter, seinen Sprung im Mehrkampffinale stand er perfekt. Artur Davtyan aus Armenien ist ein ausgezeichneter Mehrkämpfer, in Basel konzentriert er sich nur auf das Pauschenpferd und den Sprung, das Pferdfinale gestern gewann er. Mit den Briten Giarnni Regini-Moran und Courtney Tulloch, Loris Frascas aus Frankreich, Yahor Sharamkou aus Belarus und dem Ukrainer Igor Radivilov sind sonst nur Sprungexperten im Finale.

Vier Medaillenchancen für die Schweiz

Am Barren ist eine Vorhersage nahezu unmöglich, zu ausgeglichen ist das Feld. Mit dem Deutschen Lukas Dauser, Sieger der Qualifikation, den beiden Russen Nikita Nagornyy und David Belyavskiy, sowie Ferhat Arican aus der Türkei gewann schon die Hälfte der Turner in diesem Finale eine EM-Medaille an diesem Gerät. Auch der Ukrainer Illia Kovtun ist als Junioreneuropameister ein Barrenexperte. Dazu tritt mit Ahmet Onder der amtierende Vize-Weltmeister am Barren an. In der Qualifikation präsentierten sich die beiden Schweizer Christian Baumann (dritter) und Pablo Brägger (sechster) stark. Eine Medaille bei der Heim-WM ist natürlich ein großer Ansporn. Dauser (6,7) und Nagornyy (6,4) stockten im Mehrkampffinale ihre Übung nochmal auf, Dauser machte einen Fehler und musste den Barren verlassen.

Auch am Reck gewann mit Andreas Toba ein Deutscher die Qualifikation. Er und Pablo Brägger (Reckeuropameister 2017) hatten mit 6,3 Punkten die höchste Ausgangswertung. Auch Christian Baumann ist im Reckfinale, er erreichte am Donnerstag den 4. Platz, hinter dem Italiener Carlo Macchini. Mit Krisztian Balazs ist Ungarns Nachwuchshoffnung in seinem ersten Gerätefinale bei den Senioren. 2016 und 2017 gewann David Belyavskiy (Russland) jeweils Bronze am Reck. Die beiden Türken Ahmet Onder und Adem Asil komplettieren das letzte Finale der Kunstturn-Europameisterschaften Basel 2021.

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Vorschau: Gerätefinals am Samstag

Der erste Tag der Gerätefinals bietet viele spannende Wettkämpfe.

Am Boden sind die beiden Russen Nikita Nagornyy und Kirill Prokopev die klaren Favoriten. Beide zogen punktgleich ins Finale ein. Mit Benjamin Gischard hat ein Schweizer gute Medaillenchancen. Er qualifizierte sich auf Platz drei für das Finale, 0,4 Punkte hinter den beiden Russen, aber auch nur 0,144 vor Platz acht. Yahor Sharamkou aus Belarus konnte mit seinem Ausgangswert noch mit Nagornyy und Prokopev mithalten.  

Joshua Nathan (Großbritannien) turnte von allen acht Finalteilnehmern mit einer Ausgangswertung von starken 6,9 Punkten die schwierigste Übung. Das reichte für Platz zwei hinter dem Iren und absolutem Pauschenpferd-Spezialist Rhys McClenaghan, der die beste Ausführungsnote von den Kampfrichtern bekam. Prognosen sind am Pauschenpferd besonders schwer, ein falscher Griff und der Medaillentraum ist vorbei.

Olympiasieger Eleftherios Petrounias (Griechenland) zeigte die schönste und auch schwerste Übung in der Qualifikation, dementsprechend geht er auch als Favorit in den Endkampf. Die sieben Tuner dahinter lagen innerhalb von 0,233 Punkten – auch hier ist alles möglich. Mit Ibrahim Colak aus der Türkei ist der amtierende Welt- und Europameister im Finale. Bis auf Nagornyy sind alle Turner echte Experten an den Ringen.

Steingruber im engen Kreis der Favoritinnen

Beim Sprung der Frauen scheint die Sache klar zu sein: Jessica Gardirova aus Großbritannien, die Russin Angelina Melnikova und Giulia Steingruber bei ihrer Heim-EM machen die Medaillen unter sich aus. So zumindest die Theorie, die drei lagen in der Qualifikation innerhalb von 0,051 Punkten. Danach klafft eine Lücke von 0,466 Punkten. Schon der kleinste Wackler bei der Landung wird über die Medaillenfarbe entscheiden.

Melnikova und ihre Teamkollegin Vladislava Urazova gilt es am Stufenbarren zu schlagen. Allerdings wird Melnikova nach ihrem Sturz im Mehrkampffinale und der damit verpassten Goldmedaille allen zeigen wollen, dass sie es kann. Urazova hatte am Freitag dagegen Pause. Mit Elisabeth Seitz (GER), Johanna Adlertag (SWE), Giorgia Villa (ITA), Alice D’Amato (ITA) und Amelie Morgan (GBR) gehen absolute Topturnerinnen an die beiden Holme. Filipa Martins aus Portugal war eine kleine Überraschung, aber auch sie zeigte eine fantastische Übung in der Qualifikation. Lasst die Flugshow beginnen!

Nagornyy bestätigt Weltklasse

Der Russe Nikita Nagornyy hat seinen Status als bester Turner Europas bestätigt und ein ganz großes Ausrufezeichen in Richtung Olympische Spiele gegeben. Das Mehrkampffinale der Kunstturn-Europameisterschaften Basel 2021 dominiert er vom ersten Gerät an und sichert sich mit 88,032 Punkten souverän die Goldmedaille. An allen sechs Geräten ist er mindestens unter den besten drei Turnern, am Boden, den Ringen, am Sprung und am Reck erzielt er die Tageshöchstwertung. Einen winzigen Fehler bügelt er in Weltklasse-Manier am Pauschenpferd aus. Nagornyy gewinnt damit seinen zweiten EM-Mehrkampftitel und reist als amtierender Welt- und Europameister im Sommer nach Japan. Mit dieser Form ist der 24-Jähirge absoluter Topfavorit auf olympisches Gold.

Dahinter macht David Belyavskiy den zweiten russischen Doppelsieg an diesem Tag perfekt. Sein Rückstand auf Landsmann Nagornyy beträgt nach sechs Geräte schon stolze 2,168 Punkte. Für den russischen Routinier ist es die 16 Medaille bei den kontinentalen Meisterschaften.

Auf Platz drei überrascht der erst 17-jährige Illia Kovtun mit 3,168 Punkten hinter der Spitze. Der Ukrainer steigert sich um fast 3,5 Punkte im Vergleich zur Qualifikation am gestrigen Donnerstag.  Erst in der letzten Rotation des Wettkampfes fängt er Ahmet Onder aus der Türkei ab. Onder stürzt beim Cassina am Reck und verpasst am Ende um 1,266 Punkte seine erste Einzelmedaille bei Europameisterschaften. Sein Teamkollege Adem Asil brach den Wettkampf nach dem Pauschenpferd aufgrund einer Schulterverletzung ab.

Starke Aufholjagd von Brägger

Pablo Brägger aus der Schweiz beendet den Wettkampf auf einem starken fünften Platz. Sein Rückstand auf das Podest beträgt 2,599 Punkte. Nach einem Sturz bei seinem zweiten Gerät dem Pauschenpferd startete er eine starke Aufholjagd, die mit der drittbesten Reckübung des Wettkampfes auf Rang fünf endet. Mit Volodymyr Kostiuk (17 Jahre/Ukraine) auf Platz sieben und Jake Jarman (19 Jahre/Großbritannien) auf Platz zehn kommen zwei weitere Jungspunde bei ihrem Seniorendebüt in die Top zehn.

Für Christian Baumann aus der Schweiz begann der Wettkampf maximal unglücklich: Beim Sprung rutscht er am Sprungbrett ab. Unverletzt turnt er den Wettkampf zu Ende landet aber abgeschlagen aufgrund der Nuller-Wertung am Sprung auf dem 23. Platz. Mit der jeweils drittbesten Barren- und Reckübung dürfte er dennoch mit einem guten Gefühl in die beiden Gerätefinals morgen gehen.

Die besten zehn Mehrkämpfer:
  1. Nikita Nagornyy (RUS) – 88,032
  2. David Belyavskiy (RUS) – 85,864
  3. Illia Kovtun (UKR) – 84,864
  4. Ahmet Onder (TUR) – 83,598
  5. Pablo Brägger (SUI) – 82,265
  6. Robert Tvorogal (LTU) – 82,131
  7. Volodymyr Kostiuk (UKR) – 81,532
  8. Ivan Tikhonov (AZE) – 81,532
  9. Nicola Bartolini (ITA) – 80,311
  10. Jake Jarman (GBR) – 80,231

Die Jugend stürmt das Podest – Listunova gewinnt Gold

Viktoriia Listunova gewinnt bei ihrem ersten Wettkampf bei den Seniorinnen die Goldmedaille im Mehrkampf der Kunstturn-Europameisterschaften Basel 2021. Die 15-Jährige zeigt vier tolle Übungen ohne große Fehler und erturnt sich insgesamt 56,731 Punkte. Am Stufenbarren (14,466 Punkte) und Schwebebalken (14,066 Punkte) bekommt sie die Tageshöchstwertung. Silber gewinnt Angelina Melnikova mit 1,299 Punkten Rückstand auf Listunova. In der Qualifikation war die Reihenfolge der beiden Russinnen noch umgekehrt. Melnikova patzt im Finale aber gleich doppelt: Erst stürzt sie am Stufenbarren, danach auch noch vom Schwebebalken. Am Boden (14,133 Punkte) und Sprung (14,733 Punkte) turnt sie die Bestwertung des Tages. Auf Platz drei überrascht Jessica Gadirova aus Großbritannien. Die auch erst 16 Jahre alte Athletin erturnt sich 55,1 Punkte, glänzt besonders am Sprung (14,6 Punkte) und Balken (13,5 Punkte) mit der jeweils zweitbesten Note der gesamten Konkurrenz.

Mit Amelie Morgan landet eine weitere Britin auf dem 4. Platz. Die beiden deutschen Elisabeth Seitz und Kim Bui landen auf den Plätzen fünf und sieben. Dazwischen schiebt sich Martina Maggio aus Italien. Lieke Wevers und Naomi Visser aus den Niederlanden folgen danach auf dem achten und neunten Rang. Jutta Verkest (Belgien) komplettiert die Top zehn.

Trio verpasst Finale

Visser und Verkest waren erst heute in den Wettkampf nachgerückt: Mit Larisa Iordache, Vanessa Ferrari und Giulia Steingruber sagten gleich drei der besten zehn Turnerinnen aus der Qualifikation ihre Finalteilnahme ab. Ferrari und Steingruber hatten in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und konzentrieren sich wohl auf die Gerätefinals am Wochenende. Steingruber turnte schon die Qualifikation mit einem stark bandagiertem Oberschenkel. Iordache ist nach ihrer Nierenentzündung noch immer im Krankenhaus.

Die Top zehn in der Übersicht:

  1. Viktoriia Linstunova (RUS) – 56.731
  2. Angelina Melnikova (RUS) – 55.432
  3. Jessica Gadirova (GBR) – 55.100
  4. Amelie Morgan (GBR) – 53.565
  5. Elisabeth Seitz (GER) – 53.398
  6. Martina Maggio (ITA) – 52.366
  7. Kim Bui (GER) – 52.298
  8. Lieke Wevers – (NED) 52.265
  9. Naomi Visser (NED) – 52.199
  10. Jutta Verkest (BEL) – 52.132

Vorschau: Mehrkampffinale Frauen

Sie ist die klare Favoritin: Angelina Melnikova aus Russland. Die lange Wettkampfpause hat ihr offenbar nichts ausgemacht, nach der Bronze im Mehrkampf bei der WM in Stuttgart im Oktober 2019 will sie hier in Basel 2021 ihre Medaillensammlung weiter aufstocken. Die Qualifikation gewann sie vor ihren Teamkolleginnen Viktoriia Listunova und Vladislava Urazova. Durch die Zwei-Nationen-Regel wird Urazova nicht im Mehrkampffinale starten können.

Im Vergleich zur Quali hat Melnikova sogar noch Verbesserungspotential: Am Schwebebalken stürzte sie kurz nach dem Aufgang. Trotzdem hatte die 20-Jährige am Mittwoch 0,526 Punkte Vorsprung vor Listunova, Mehrkampfsiegerin der Junioren-WM 2019, die ihren ersten Wettkampf bei den Seniorinnen turnte. Auch sie stürzte am Balken.

Wer gewinnt die Medaillen?

Larisa Iordache landete auf Rang vier, obwohl sie laut rumänischem Verband am Abend vor dem Wettkampf über Fieber und Schmerzen klagte. Im Krankenhaus wurde dann eine Nierenentzündung festgestellt. In Bestform, auch sie fiel vom Balken, ist sie sicherlich eine Kandidatin fürs Podest. Gleich zwei Italienerinnen landeten unter den besten zehn Turnerinnen, beide in Schlagdistanz zur Medaille: Martina Maggio qualifizierte sich auf Rang fünf und Vanessa Ferrari auf dem 7. Platz. Dazwischen schob sich die Britin Amelie Morgan, ihre Teamkollegin Jessica Gadirova (schlimmer Sturz am Balken) hatte als Achte einen Punkt Rückstand auf Iordache. Die Top Ten komplettierten die Französin Carolann Heduit und Giulia Steingruber aus der Schweiz.  

Ergänzung:

Larisa Iordache, Giulia Steingruber und Vanessa Ferrari haben auf einen Start verzichtet! Steingruber und Ferrari schonen sich für die Gerätefinals, Iordache geht es noch nicht besser.

Außerdem im Finale sind unter anderem:
  • Elisabeth Seitz (GER) dritte am Stufenbarren in der Qualifikation
  • Filipa Martins (POR) vierte am Stufenbarren in der Qualifikation
  • Lieke Wevers (NED) vierte am Schwebebalken in der Qualifikation

Willkommen itec!

Vier Fragen an Daniel Gyger, Head of Partnering und Mitglied Geschäftsleitung von itec.

Daniel Gyger Head of Partnering, Mitglied Geschäftsleitung
Daniel Gyger
Head of Partnering und Mitglied Geschäftsleitung, itec
Foto: Bardh Hoxha – bardh.ch

Die Kunstturn-EM Basel 2021 ist im vollen Gange. Wie muss man sich Deinen Tagesablauf vorstellen?

Gut gelaunt morgens das Team bis um 8 Uhr etwas nerven. Anschließend hin wo man gerufen wird. Turnschuh ist mein wichtigstes Werkzeug. Abwechslungsreich gestaltet sich der ganze Tag durch die tolle Zusammenarbeit mit Sicherheit, Medien, LOC, etc. und irgendwann endet der Tag. Die Uhrzeit dabei ist weniger wichtig, da das Tagesende mit der letzten Tagespendenz endet.

Was sind die größten technischen Herausforderungen?

Die kurzfristigen Anfragen, stellen immer wieder eine Herausforderdung dar. Die geplanten und skalierten Netzwerk- und Internetanforderungen haben sich in den letzten Tagen stark geändert. Zusätzlich natürlich die kurzfristig benötigte Unterstützung von den verschieden Kanälen wie Webseite, Streams, etc.

Wie viele Stunden bis Du jeden Tag auf den Beinen?

Das kann stark variieren. Start ist meistens ca. 7 Uhr und endet dann irgendwann zwischen 21 und 24 Uhr, dies während zwei Wochen und sieben Tage die Woche.

Was war der schönste Moment während dieser EM-Woche?

Ich kann kaum einen einzelnen Moment benennen, da es viele davon gab. Insbesondere die immer wieder lustigen und tollen Momente mit dem ganzen Team. Egal wie stressig es zu gewissen Tageszeiten ist, alle funktionieren und sind dabei trotzdem immer gut gelaunt. Die ganze Covid Organisation ist immer wieder ein Thema und großer Herausforderung. Ich würde mir wünsche, wieder einen solchen Event mit diesem Team durchführen zu dürfen.